Pädagogisches Konzept

„Das Kind wird nicht Mensch, es ist Mensch!“

Mit diesem Satz drücken wir aus, was uns im Zusammenleben mit Kindern ganz wichtig ist:

Wir wollen:

  • die Persönlichkeit jedes Kindes achten und fördern
  • seine individuellen Interessen, persönlichen Stärken und Fähigkeiten anerkennen und fördern
  • seine Eigenkreativität fördern und sein Selbstvertrauen stärken
  • seine kulturellen Erfahrungen im pädagogischen Alltag respektieren und berücksichtigen

Wir bieten in unseren Krippen ein pädagogisches Konzept an, das dem Kind sowohl eine positive Erfahrung in der Gruppe ermöglicht, als auch die individuellen Bedürfnisse des Kindes berücksichtigt. Neben dem Engagement der Eltern soll die Erzieherin/der Erzieher dafür als wichtige Bezugs- und Begleitperson bei der Entwicklung des Kindes dienen und es dabei unterstützen seine Fähigkeiten zu entdecken und selbst zu experimentieren.

Wir geben den Kindern möglichst viel Freiraum für weitgehende Selbstbestimmungsmöglichkeiten bzw. um Selbstvertrauen entwickeln zu können, in der Auseinandersetzung miteinander, mit den Erwachsenen und mit ihrer Umwelt. Dabei sollen sie lernen für ihr eigenes Verhalten die Verantwortung zu übernehmen und die daraus resultierenden Konsequenzen zu tragen. Wichtig hierbei ist das Erkennen der eigenen Grenzen, diese gegenüber anderen deutlich zu machen und die Grenzen anderer wahrzunehmen, zu achten und zu akzeptieren. Dabei soll weitgehend der Selbsteinschätzung der Kinder vertraut werden; ErzieherInnen sollten diesen „Selbstregulierungsprozess“ vor allem beobachten und nur dann eingreifen, wenn Kinder damit überfordert sind, z.B. wenn die Grenzen der vermeintlich „Schwächeren“ durch die vermeintlich „Stärkeren“ nicht respektiert werden, bzw. jene nicht in der Lage sind, diese Grenzen entsprechend deutlich zu artikulieren.

Durch das Erlernen von Fähigkeiten im lebenspraktischen Bereich und das Entdecken und Erfahren von neuen Lebensbereichen wird die Selbstständigkeit der Kinder gefordert. Daher sollen die Kinder möglichst viele Dinge selbst machen. In alltäglichen Situationen, wie beim An- und Ausziehen, zur Toilette gehen usw. soll den Kindern nur begrenzt, also je nach individuellen Fähigkeiten, geholfen werden. Zudem sollen sie lernen sich gegenseitig zu helfen.

Um das selbstständige Handeln der Kinder zu unterstützen und zu fordern, müssen die ErzieherInnen sich ganz bewusst vom einzelnen Kind und der Gruppe entfernen. Dies geschieht natürlich nur zeitweise und in einer im Rahmen der Aufsichtspflicht vertretbaren Distanz.

„Kinder brauchen andere Kinder“. Der verbindliche Kontakt eines Kindes mit anderen Kindern ist absolut notwendig, um sein persönliches, soziales und kulturelles Lernen zu entfalten.

Wir wollen, dass unsere Kinder sich in einem kleinkindgerechten Umfeld entwickeln können. Dafür brauchen sie einen Ort, wo sie andere Kinder erleben, wo sie spielen, toben und forschen können. Sie brauchen einen Platz, an dem sie Selbstständigkeit und Selbstvertrauen entwickeln und ihre sozialen Kompetenzen erleben und entwickeln können.

Kinder lernen mit anderen Kindern ihr Sozialverhalten zu schulen, um sich in der Gesellschaft, in der sie leben, zurechtfinden und um befriedigende und tragfähige Beziehungen und Freundschaften aufbauen zu können. Sozialverhalten heißt, dass nicht nur die eigenen Gefühle, Bedürfnisse und Interessen wahrgenommen und befriedigt werden, sondern auch die der anderen. So lernen Kinder die eigenen Grenzen kennen und erfahren Grenzsetzung durch andere. Auch Aggressionen (eigene und fremde) können, aus der jeweiligen Handlungssituation heraus, als der Versuch, Grenzen zu setzen bzw. sie zu erfahren, verstanden werden. Aggressionen sollen daher nicht nur negativ bewertet werden. Dennoch legen wir Wert auf die Förderung verbaler Auseinandersetzungsmöglichkeiten.

Bei Konflikten zwischen den Kindern sollen sich die ErzieherInnen möglichst wenig einmischen. Die Kinder sollen dazu ermutigt werden, ihre Probleme untereinander zu lösen. Bevor die Erwachsenen Vorschläge anbieten, sollen die Kinder nach eigenen Lösungen befragt werden, d.h. die Kinder sollen an der Entwicklung aktiv teilhaben. Die „Schuldfrage“ soll dabei nie im Vordergrund stehen, sondern die Frage der Verantwortung für eigenes Verhalten und Fehlverhalten.

Aus diesem Grund ist es wichtig, dem Krippenkind schon im frühkindlichen Alter die Möglichkeit zu geben, seinen Platz in der Gruppe und die Vielfalt von kindlichen Bedürfnissen kennen zu lernen.

In unseren Krippen bestehen die Gruppen aus 10 bzw. 15 Kindern mit einer Altersmischung von ca. 1 Jahr bis ca. 3 Jahren. Die altersgemischte Gruppe sehen wir als besonders günstiges Umfeld für die Entwicklung der Kinder an:

  • Die altersgemischte Gruppe als persönliches Lernfeld: Das Vorbild der größeren Kinder regt die Kleinen zur Nachahmung und zum Mitmachen an, die größeren Kinder wiederum sichern ihr Erlerntes durch Wiederholungen, werden gestärkt durch Bewunderung, ihr Selbstvertrauen wächst im Erleben der eigenen Fähigkeiten. Die Kleinen tragen viel zum emotionalen Wohlbefinden der ganzen Gruppe, sowie zum Erwerb sozialer Fähigkeiten, bei.
  • Die Gruppe als soziales Lernfeld: In einer Gruppe lernt das Kind Toleranz und Rücksicht zu üben, aber auch Freundschaften aufzubauen. Die Kindergruppe vermittelt eine Erfahrungswelt, die Erwachsene in dieser Art nicht leisten können. Ganz natürlich erleben sie, dass jedes Kind etwas Besonderes ist.

Ein wichtiger Bestandteil der Entwicklung von Krippenkindern ist die Erfahrung mit allen Sinnen. Hören, Sehen, Schmecken, Riechen und Tasten ist von großer Bedeutung, um sich selbst und seine Umwelt wahrzunehmen.

Wir werden dies umsetzen z.B. durch Spaziergänge im Regen, barfuß laufen im Sand, Kontakt mit Schnee im Winter oder durch einfache Gelegenheiten wie Federn streicheln oder Seifenblasen pusten. Die Kleinsten lernen dabei von den Erfahrungen der größeren Kinder. Die Kinder sollen oft die Möglichkeit haben, mit unterschiedlichsten Materialien (Papier, Knete, Fingerfarben, Steinen, Ästen, Blättern,…) Erfahrungen zu sammeln, um ihre Kreativität und Motorik anzuregen. Unter anderem wird die Entwicklung der Kinder durch Erfahrungen, die sie in und mit ihrer Umwelt machen, bestimmt. Diese Erfahrungen des Kindes entstehen dadurch, dass sich das Kind mit seiner Umwelt auseinandersetzt. Zum Einen geschieht dies durch körperliche Erfahrungen und zum anderen durch soziale Vermittlung (Erziehung, Vermitteln von neuen Erkenntnissen und Geschehnissen etc.).

Wie wollen den Kindern die Möglichkeit geben, sich durch Beobachtung und eigenes Ausprobieren mit neuen Situationen, Gegenständen und Materialien auseinanderzusetzen. Das Kind soll auch alleine neue Zusammenhänge, Erkenntnisse und Dinge entdecken und damit körperliche und geistige Erfahrungen sammeln. Dabei ist es wichtig, dass es alle Sinne (Hören, Sehen, Fühlen, Riechen und Schmecken) benutzen kann. Vielseitige und anregende Vorschläge durch den Erwachsenen helfen den Kindern, sowohl ihre intellektuellen Fähigkeiten (Spiele, Bücher, Geschichten etc.), als auch ihre motorische Geschicklichkeit (Schaukeln, Balancieren, Seil hüpfen, Malen etc.) weiter zu entwickeln und dabei vielseitige kognitive Erfahrungen zu sammeln.

Offene Bewegungsarrangements auf dem Außengelände, auf dem Spielplatz etc. gehören zu den Grundformen der Bewegung – Laufen, Springen, Werfen, Klettern, Balancieren, Dreirad fahren. Sie fordern auf, durch spielerisches Experimentieren und Üben zur Bewegungssicherheit im Bereich der kindgemäßen Motorik beizutragen. Ausgangspunkt und Grundlage vieler Bewegungsangebote sind die Kinder selbst mit ihren individuellen Bewegungsbedürfnissen. Gemäß dem „Situationsorientierten Ansatz“ sollen Themen, Interessen, Probleme und Alltägliches aus der Lebenswelt der Kinder, die sich auch in ihren Aktivitäten im Gruppenraum widerspiegeln, aufgegriffen und in Bewegung umgesetzt werden.

Kreativ machen wir uns gemeinsam auf den Weg, um mit Farben, Formen, Materialien, Werkzeugen, Geräuschen und Klängen zu experimentieren. Es bedeutet Dinge auszuprobieren, Ideen zu verwerfen und wieder neu zu beginnen. Dieser ständige Prozess, verbunden mit dem Risiko des Scheiterns, soll von den ErzieherInnen ständig wieder neu belebt werden. Um Kreativität zu fördern, ist es notwendig, dass Kinder möglichst ungestört spielen und ihre Ideen entwickeln können. Im Kinderkrippenalltag sollen die Kinder angeregt werden, die Dinge, die ihnen beim Spielen fehlen, selbst anzufertigen bzw. vorhandenes Spielzeug für ihren Zweck umzufunktionieren. Auch die Freude an der Musik möchten wir gerne durch Bewegungsspiel, Musikinstrumente jeglicher Art (auch selbst gebastelte) unterstützen. Sei es ein Topf mit Kochlöffel oder ein paar Reiskörner in einer geschlossenen Schachtel, der Phantasie der Kinder sollten keine Grenzen gesetzt sein.

Der pflegerische Bereich ist besonders wichtig für das körperliche und seelische Wohlbefinden des Krippenkindes. Es vermittelt dem kleinen Kind Geborgenheit und Vertrauen und hilft ihm ein erweitertes Zuhause in der Krippe zu finden. Aus diesem Grund sind Körperpflege, emotionale Zuwendung, Respektieren des Schlafbedürfnisses und das Einnehmen der Mahlzeiten von elementarer Bedeutung.

  • Körperpflege: Damit das Kind ein natürliches Verhältnis zu seinem Körper und dessen Funktionen entwickeln kann, möchten wir der Köperpflege jeden Tag genügend Zeit einräumen. Das Kind soll Freude daran haben Gesicht und Hände zu waschen. Die Wickelzeiten werden dem Rhythmus des Kleinkindes angepasst. Der Beginn der Sauberkeitserziehung eines Kindes wird mit seinen Eltern abgesprochen.
  • Schlafbedürfnisse: Ausreichender Schlaf ist – wie die Befriedigung des natürlichen Bewegungsdranges – eine wichtige Voraussetzung für die gesunde Entwicklung des Kindes. Das Kind soll das Schlafen als etwas Schönes und Beruhigendes empfinden, deshalb darf Schlafen nie als Druckmittel oder Strafe missbraucht werden. Alle Kinder werden nach dem Mittagessen eine Mittagsruhe machen. Jedes Kind wird seinen Schlaf- oder Ruheplatz haben. Unserer ErzieherInnen sorgen dafür, den Kindern einen altersgerechten Tagesrhythmus zu ermöglichen.
  • Emotionale Zuwendung: Jedes Kleinkind braucht emotionale Zuwendung, die engeren Körperkontakt mit den ErzieherInnen fordert. Wenn das Kind es wünscht, muss die Erzieherin/der Erzieher ihm die Geborgenheit geben, die es braucht. Respekt und Achtung des Kindes müssen hierfür im Vordergrund stehen.
  • Einnehmen der Mahlzeiten: Das Mittagessen der Kinder wird den Empfehlungen für eine gesunde Ernährung folgen. Die ErzieherInnen gestalten das Frühstück und unsere „Küchenfeen“ das Mittagessen. Um die Gemeinschaft der Gruppe zu teilen, sollen die ErzieherInnen die Mahlzeiten gemeinsam mit den Kindern vorbereiten und einnehmen.

Wir werden viel mit den Kindern sprechen. Das kleine Kind hat eine angeborene Bereitschaft Sprache zu erlernen. Das Vorbild und die sprachliche Anregung durch andere Menschen sind eine grundlegende Bedingung des Spracherwerbs. Durch Ansprache, Mimik, Gestik, Melodien und Töne möchten wird die Äußerungsfreudigkeit des Kleinkindes anregen und unterstützen. Wir möchten, dass sich die Kinder einen altersgemäßen Wortschatz aneignen und später lernen, daraus Sätze zu bilden. Deshalb werden Gegenstände mit dem richtigen Namen benannt und mit den Kindern von Anfang an, deutlich, korrekt und in ganzen Sätzen gesprochen. Auch durch Wortspiele, Reime, Lieder, Geschichten und Rollenspiele werden die Sprachentwicklung und Sprechfreudigkeit in der Krippe unterstützt. Kritik hemmt die Sprechfreudigkeit, deshalb werden Wörter und Sätze, die falsch ausgesprochen oder benutzt werden, von den ErzieherInnen nur richtig wiederholt.

Über die Auseinandersetzung mit fremden Kulturen werden die Kinder für Unterschiede, andere Traditionen und kulturelle Differenzen sensibilisiert und lernen „Anderssein“ als Bereicherung und Anregung zu betrachten. Dadurch wird das Kind toleranter, bewusster und neugieriger über die Umwelt, in der es sich entwickelt.

Verantwortungsbewusste Eltern und Fachpersonal

Der Wunsch von Eltern, ihr Kind in einer Kinderkrippe in Trägerschaft einer Elterninitiative anzumelden, bestätigt das Interesse der Eltern sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten bei der Betreuung ihrer Kinder aktiv zu engagieren.

Dafür möchten wir einen regelmäßigen und engen Austausch zwischen Fachkräften und Eltern innerhalb der Initiative fördern, damit neue Anregungen und konstruktive Kritiken im Lauf der Zeit aufgenommen werden. Für bestimmte Aktionen wird die Mitarbeit der und Mitgestaltung der Eltern erforderlich sein. Durch regelmäßige Fallbesprechungen, Einzel-, Gruppen- und Teamgespräche, Beratungen, Einzel- und Teamfortbildungen, sowie durch Fachliteratur sollen die Qualifikationen des Fachpersonals gefördert werden.

Bei uns können Kinder ganzjährig aufgenommen werden. Die Eingewöhnung neuer Kinder sollte durch die Begleitung der bisherigen Bezugsperson(en) unterstützt werden. Nur in deren Anwesenheit findet das Kleinkind genügend Sicherheit, sich neugierig der neuen Umgebung zuzuwenden und sich neuen Beziehungen unbelastet zu öffnen.